DYNAMICS - CHINESE CONTEMPORARY OIL PAINTINGS

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Ausstellungseröffnung:

Freitag, 01. März 2019, 18:00 Uhr



Eröffnungsredner:
 

Ren Rong

Kunstraum Villa Friede


Zhai Fenglian

LYYF Visual Art Center, Peking, China


Prof. Dr. Beate Reifenscheid
Kurator

 


Die Künstler waren anwesend.

 


Ausstellungsdauer: 01. März - 30. März 2019

ZEITGENÖSSISCHE CHINESISCHE ÖLMALEREI

Die europäische Kultur basiert seit Jahrhunderten auf der Ölmalerei. Hier wechseln bereits im Mittelalter die bedeutenden Künstler von der Enkaustik zur einfacher handhabbaren Ölmalerei. Neben der aufwändigen Enkaustik nutzten Maler auch Temperafarben, eine Technik, die allerdings eigene Schwierigkeiten mit sich brachte.  „Tempera ("Mischung") ist eine Emulsion, also eine Mischung aus einer ölhaltigen und einer wässrigen Lösung (…) Temperafarbe hatte (und hat) einen großen Nachteil: sie wird aus natürlichen Produkten wie Ei oder Quark hergestellt - und sie verdirbt daher relativ schnell. Außerdem trocknete sie wegen der Wasseranteil in der Farbe relativ schnell, was die Künstler dazu zwang, sehr schnell zu arbeiten (..) oder durch Übermalungen zu korrigieren.  Nach und nach experimentierten die Künstler mit neuen Ölen, z.B. Leinöl, Sonnenblumenöl, Mohnöl und anderen. Sie versuchten, dass Mischungsverhältnis der Emulsion dahingehend zu verändern, dass kaum noch verderbliche Inhaltsstoffe enthalten waren. Stattdessen fügte man den ölhaltigen Bindemitteln verschiedene Harze (z.B. Dammar oder Mastix) hinzu, die eine besonders hohe Klebkraft haben. Diese Art von Bindemittel veränderte die Wirkung der Bilder und den künstlerischen Schaffensprozess grundlegend: Die Farben leuchten deutlich intensiver und brillanter und die Ölfarbe trocknet wesentlich langsamer.

Im späten Mittelalter gilt der Niederländer Jan van Eyck (um 1390 - 1441) als wichtigster Vorreiter und Entwickler der Ölmalerei, oftmals in intensiver Zusammenarbeit mit seinem Bruder Hubert. Sein weltberühmtes Hauptwerk, der "Genter Altar" (1432-35), überzeugte schon die Zeitgenossen von dessen unglaublichen Naturalismus, der eine Neuausrichtung innerhalb der religiösen Darstellungen bewirkte und erstmals der Landschaft an sich eine eigene Bedeutung zumaß. Beide wirkten fortan – auch ikonografisch – wechselseitig auf einander ein. Die Intensität der Farben steigerte die Wirkkraft der himmlischen und der weltlichen Ebenen dieses hochkomplexen Altars zu geradezu metaphysischen Aura. Wenig später beginnt auch Antonello da Messina (1430 - 1479) in Italien mit der Technik der Ölmalerei und findet rasch zu großer Virtuosität, die sich vor allen Dingen in seinen ausdrucksstarken Portraits spiegelt. Neben den berühmten Meistern der Renaissance, wie Leonardo da Vinci, Raphael und Michelangelo, werden Tizian im 16. Jahrhundert ebenso wie Jan Vanmeer (1632 - 1675) in den Niederlanden wesentliche Impulse geben, die nicht nur eine Verfeinerung der Technik herbeiführen, sondern immer auch die Konzeption des Darstellbaren  verändern.

Die Entwicklungen in China verlaufen völlig anders, da dort die Ölmalerei lange keine durchgreifende Rolle gespielt hat. Hier bleibt – bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die Tuschmalerei stilprägend und Kulturbeherrschend. Interessanterweise kommen aber bereits im 16. Jahrhundert die ersten christlichen Mönche und Missionare ins chinesische Reich, die ihrerseits bereits die Technik und die andersartige Darstellungsweise mit ins Land bringen.

„Im Jahr 1583 ist der italienische Missionar Matteo Ricci in China angekommen und brachte auch die Kunstform der Ölmalerei mit. Der italienische Missionar Giuseppe Castiglione (1668 – 1766) folgte ihm. Er studierte in Italien Malerei und kam 1715 in China an. 50 Jahre arbeitete er als Hofmaler für die drei chinesischen Kaiser Kangxi, Yongzheng und Qianlong der Qing-Dynastie.“ Entscheidend ist es jedoch, dass trotz alledem die Ölmalerei sich über Jahrhunderte in China nicht durchsetzt, sondern nur in intellektuellen, reichen Kreisen gefördert und gefragt war. Anerkennung fand sie erst, als eine Reihe von Künstlern zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Ausland und hier vornehmlich nach Frankreich oder Deutschland zur Ausbildung gehen und dadurch mit der neuen Technik des Malens in Berührung kommen. Die gerade auch in Europa nach der Jahrhundertwende erfolgten großen Neuerungen in der Kunst bereiten hier einen besonderen Boden vor. Die intensive Auseinandersetzung mit der Malkultur des Westens führt unweigerlich zu einer Überlieferung und Implementierung der neuen Kunstform in China selbst. Im Grunde kann man zwei größere Phasen des kulturellen Dialogs ausmachen: Die Zeit nach dem 1. Weltkrieg wie auch die nach dem Zweiten Weltkrieg (allerdings zunächst nur in die ehemaligen Ostblockstaaten und erst ab 1989 dann auch in der Bundesrepublik).

Gerade in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt die Auseinandersetzung mit der westlichen Ölmalerei für chinesische Künstler, die nach Europa gekommen waren, die wichtigste Mission, um sich neben der eigenen Tradition der Tuschemalerei an die Kunst des Westens anzunähern. Das Studium der westlichen Tradition und deren besondere Ausdrucksarten (Stile wie Impressionismus/ Expressionismus/ Kubismus etc.) diente der Annäherung und der Adaption von Sujets, im Idealfall auch des tiefen Verständnisses von Maltechnik und (Natur-)philosophie. Erst das Wissen um die Bildtradition ermöglicht eine Verbindung zum technischen Knowhow, somit zu Kompositionsaufbau und Bildaussage. In den 1920er und beginnenden 1930er Jahren erlebt die Annäherung asiatischer Künstler vornehmlich durch den Besuch der Kunstakademien in Frankreich – und weniger ausgeprägt in Deutschland – einen besonderen Zuspruch. Einer der bedeutendsten Künstler, der aus dieser Zeit hervorgegangen ist und entscheidend die Malerei in China prägen wird, war Xu Beihong, der unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg 1919 zum Studium nach Paris wechselte. Durch ihn, wie auch einige andere Meister gelangte dieses Wissen in die chinesische Kulturszene und trug dazu bei, dass sich allmählich auch die Ölmalerei durchsetzte. Dazu trug – mehr noch als die europäische Tradition – vor allem die Tradierung der russischen Malerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts wie auch die stark von politischer Propaganda gesteuerte Kunst bei. Maßgeblich war es dann zunächst der größtmögliche Realismus in der Darstellung, der der propagandistischen Botschaft diente, die es möglichst an alle Bevölkerungsschichten zu übermitteln galt, die ihrerseits eigenen ikonographischen Gesetzen folgte. Freiheit in der Entwicklung eigener Sujets und Ideen wurde weitgehend ausgeschlossen und war kulturpolitisch nicht erwünscht.

Beate Reifenscheid

(Zitat aus Beate Reifenscheids Abschrift "Zeitgenössische chinesische Ölmalerei", März 2019)

 

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